Martin Reuter - Pastoralreferent


2021 - Mitarbeitervertretung

Martin Reuter ist zum dritten Mal in die Mitarbeitervertretung der Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten en im Bistum Münster für die Wahlperiode 2021 - 2025 gewählt worden.

 

Die Gemeinde gratuliert Martin Reuter und wünscht ihm für die Arbeit in der Mitarbeitervertretung viel Freude, Erfolg und alles Gute.


Martin Reuter als Schulselsorger

2016 - Martin Reuter ist Schulseelsorger

Eigentlich wollte er nie wieder nach seiner Ausbildung zum Pastoralreferenten an einer Schule unterrichten. Doch dann kam es für Martin Reuter anders. „Und es ist gut so, wie es ist“, revidiert er sein damaliges Unbehagen.

 

Seit sechs Jahren arbeitet der 37-Jährige an der städtischen Wolfhelm-Gesamtschule in Olfen als Schulseelsorger.

Seine Aufgaben sind vielfältig. Drei Klassen unterrichtet er in Religion, er bietet einmal in der Woche während der Mittagspause eine Meditation im „Raum der Stille“ an, er ist für die Schüler in zahlreichen Situationen ansprechbar, bereitet Gottesdienste beispielsweise zum Start in den fünften Klassen oder zum Abschluss der Zehntklässler und Abiturienten vor. Und noch vieles mehr.


Pastoralreferent Martin Reuter stellt sich vor

Pastoralreferent Martin Reuter

Martin Reuter, Pastoralreferent
Kirchstr. 17
02595 - 96 16 65
eMail
seit 2010 in Olfen

 

Damit Sie mich schon ein wenig kennen lernen
Gemeinsam Unterwegs 2010

 

Mein Name ist Martin Reuter, ich bin 1978 geboren und in Selm in einer sechsköpfigen Familie aufgewachsen. Durch meine Herkunft ist mir Olfen natürlich schon seit meiner Kindheit bekannt.

 

Schulzeit

Während meiner Schulzeit, die 1998 mit dem Abitur am Gymnasium in Selm endete, war ich immer in meiner Heimatgemeinde St. Ludger engagiert. Aus diesem Engagement heraus entwickelte sich der Entschluss, den Beruf des Pastoralreferenten anzusteuern, wozu ich den Weg über das Studium der Religionspädagogik an der Katholischen Fachhochschule in Paderborn gewählt habe.

 

Nach Abschluss des Studiums 2002 folgte ein erstes Jahr als Pastoralassistent in der Gemeinde St. Ida in Münster-Gremmendorf.

 

Weiteres Studium

Im Anschluss daran folgte für drei Jahre ein weiteres Studium der Erziehungswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen, da Pastoralreferenten in unserem Bistum bis vor einem Jahr einen zweiten Beruf vorweisen müssen. Der Weg nach Duisburg bedeutete zudem die Mitarbeit im Pastoralen Dienst der Pfarrgemeinde St. Johannes in Duisburg-Homberg, wo ich vielfältige und sehr wertvolle Erfahrungen in der Gemeindearbeit sammeln konnte.

 

Pastoralassistent

Die weitere Ausbildung führte mich dann als Pastoralassistent in die Pfarrgemeinde Anna Katharina in Coesfeld. Dort konnte ich eine fusionierte Pfarrgemeinde mit vier Kirchtürmen erleben. Eine für mich wie für die Menschen vor Ort neue Erfahrung: Gemeinsam nach Wegen zu suchen, eine neue Identität unter Wahrung der Traditionen zu finden. Die guten und fruchtbaren Jahre der Ausbildung konnte ich schließlich im Januar 2008 erfolgreich beenden.

 

Freiwilligendienst in Südafrika

Bevor es für mich aber als Pastoralreferent in eine erste Stelle gehen sollte, fing es 2008 zunächst einmal "weg":: Für ein halbes Jahr war ich im Rahmen eines Freiwilligendienstes in der Deutschsprachigen Katholischen Gemeinde in Kapstadt, Südafrika, tätig. Dort konnte ich neue Formen der Seelsorge und auch ganz andere, neue Erfahrungen machen: Von der Touristenseelsorge und hauswirtschaftlichen Diensten im Gästehaus der Gemeinde, über Gottesdienste und Predigtdienste bis hin zur caritativen Arbeit mit Menschen mit HIV/AIDS waren vielfältige Aufgaben zu erledigen.

 

Pastoralreferentenstelle

Die erste Stelle als Pastoralreferent brachte mich nach Bockum-Hövel, Pfarrgemeinde Heilig Geist. Dort war ich in der ganzen Bandbreite des Pastoralen Dienstes tätig. Ein Schwerpunkt war die Firmvorbereitung sowie der Kontakt zu drei Schulen (Grundschule, Realschule, Hauptschule).

 

Seit Mai 2010 bin ich nun hier in Olfen in der Pfarrgemeinde sowie in der Wolfhelmschule als Schulseelsorger tätig.

 


Predigten

Predigt zur Wallfahrt zum Heiligen Kreuz nach St. Sixtus Haltern am 24.09.22

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

 

erneut haben wir uns heute aufgemacht, um zu diesem Heiligen Kreuz nach Haltern zu pilgern. St. Vitus macht sich auf den Weg. Seit etlichen Jahrzehnten, seit Jahrhunderten machen sich Gläubige auf den Weg nach Haltern.

 

In der Pfarrchronik berichtet Pfarrer Dirking, dass bereits vor 1750 die Wallfahrt nach Haltern ging. In den Jahren danach allerdings als Doppelwallfahrt zunächst zum Annaberg, dann über das Heilige Kreuz in St. Sixtus zurück nach Olfen.

 

Wegen zu geringer Ordnung und Andacht, aber auch wegen des langen Weges in der armseligen Zeit nach dem 7jährigen Krieg beantragte der damalige Pfarrer Nahrichter 1770 eine Veränderung der Wallfahrt hin zur Kapelle auf der Lehmhegge. Diese Wallfahrt – deutlich kürzer – wird bis  1825 so stattgefunden haben, da die Wallfahrt in dem Jahr in die Pfarrkirche verlegt wurde. Die Kapelle selbst wurde schließlich 1828 abgebrochen. „Es ist anzunehmen“, so schreibt Pfarrer Dirking, „dass bald darauf die neue Wallfahrt zum Heil. Kreuz in Haltern aufkam.“ (Pfarrchronik S. 41).

 

Wir sind somit in einer guten und langen Tradition. Bereits vor über 270 Jahren gingen Gläubige aus St. Vitus nach Haltern zum Heiligen Kreuz, seit 1828, also seit 194 Jahren, ist zu vermuten, pilgern wir Jahr für Jahr hierher.

 

Eine lange Tradition. Was Traditionen bewirken, wie gut Traditionen tun, konnten wir in der vergangenen Woche und den zwei Wochen davor gut sehen.

Eine Monarchin ist gestorben. Eine ganzes Volk, ein ganzer Staat, ja irgendwie auch die ganze Welt hat um diese Frau getrauert: Queen Elizabeth II., die nach einer noch nie da gewesenen und vielleicht sogar nie wieder kommenden Zeit von 70 Jahren Regentschaft mit 96 Jahren gestorben ist. Eine Jahrhundert-Frau. Als sie gekrönt wurde, waren meine Eltern noch nicht mal am Arbeiten, sie gingen noch zur Schule..

 

Nach ihrem Tod hat sich ein Mechanismus in Gang gesetzt, mit vielen Traditionen. Und dabei wurde sofort auch der neue Monarch eingeführt: König Charles III.

Bei dessen Proklamation sprach der anglikanische Erzbischof von Canterbury:

"Traditions give us enormous continuity. They hold us at moments like this. There is no uncertainty. Everything moves as it should move and that is a good thing at a time like this."

„Traditionen geben uns eine enorme Kontinuität. Sie halten uns in Momenten wie diesen. Es gibt keine Unsicherheiten. Alles läuft so, wie es laufen soll, und das ist in Zeiten wie diesen auch gut so."

 

Nicht nur in Zeiten von Trauer geben Traditionen Halt und Sicherheit. Wir erleben unsere Welt in einer nun schon länger dauernden Krise bzw. in aufeinander folgenden Krisen: Corona, Krieg, Energie, steigende Preise.

 

Da tut es gut zu wissen, dass uns unsere Traditionen Halt geben können. Doch Traditionen brauchen immer auch Vergewisserung im heutigen Leben: Gibt uns die Tradition noch Halt? Braucht es eine Verheutigung?

 

In London ist dies an einigen Stellen angeklungen, dass es Veränderungen geben kann und wird. So waren zum Verabschiedungsgottesdienst von Queen Elizabeth zu den Fürbitten auch andere Konfessionen – sogar ein katholischer Kardinal – beteiligt.

Auch unsere Wallfahrt hat immer wieder Veränderungen erlebt: Zuletzt mit den neuen Zeiten, dass wir am Nachmittag in Haltern die Messe feiern und Familien mit einem kürzeren Weg besonders angesprochen sind.

  

Aber, eine Wallfahrt ist natürlich nicht nur Tradition. Es ist mehr. Und dieses Mehr feiern wir hier. Wir versammeln uns zu Gebet, zum Teilen von Brot und Wein, zur Verehrung dieses Heiligen Kreuzes, an dem wir nun die Wallfahrtskerze entzünden.

 

Wir überlassen unser Gebet Christus, symbolisiert durch die Kerze vor dem Kreuz. Er nimmt sich unser an, er spricht uns immer wieder neu an: durch seinen Blick vom Kreuz hinab auf die Gläubigen, die zu ihm kommen.

 

Er schenkt uns immer wieder neu von seiner Quelle, seinem lebendigen Wasser. Durch die Taufe sind wir mit ihm durch das Taufwasser auf ewig verbunden. Und so begleitet er uns durchs Leben. Darauf können wir vertrauen.

 

So darf ich euch bitten, dass ihr – wenn ihr mögt – euch mit dem Wasser der Taufe bekreuzigt, wenn ihr nun zum Kreuz tretet.

  

Das Kreuzzeichen weist aber eben auch über uns hinaus: nach oben und nach unten, nach links und rechts.

Es weist zu Gott und der Welt und zu allen Schwestern und Brüdern in der Welt. Über alle Zeiten hindurch geht die Verbundenheit, es weist nach vorne in die Zukunft, es weist zurück in die Vergangenheit, in die Vergangenheit auch unserer Familien aus St. Vitus, die schon seit Jahrhunderten nach Haltern gepilgert sind.

 

Es weist zurück auf unsere Taufe. Denn mit Wasser und dem Heiligen Geist sind wir getauft in seinem Namen:

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. 

Karnevalspredigt am 13./14.02.21

Ihr lieben Schwestern und auch liebe Brüder

So heißt es Sonntag für Sonntag wieder,

 

doch heute kommt was anderes mit

es ist dabei, der Karneval, der VKK, der KITT.

 

Doch fragt sich mancher: „Muss das sein?

Corona kriegt doch alles klein!“

 

Doch wir lassen uns nicht unterkriegen,

denn auch Corona werden wir einmal besiegen!

 

Und so grüß ich euch alle ganz schlau

Mit einem lauten Olfen HELAU.

 

Dies Evangelium mit Jesus von heute,

habt ihr schon öfter gehört, liebe Leute.

 

Ich selbst darf das dritte Mal gereimt dazu sprechen,

ich finde es immer noch toll, nicht zum Erbrechen.

 

Vor sechs Jahren durfte ich´s tun,

ich will euch erinnern nun.

 

Ich durfte ums Evangelium mich ringen,

predigen, sprechen und auch singen

 

Und dann die Hände zum Himmel:

Ich will es - werde rein!

 

Ich will es – werde rein!

Das mussten die Worte von Jesus sein.

  

Die Botschaft so gekommen bei euch ins Ohr.

Doch vor drei Jahren ging ich anders vor.

 

Wieder hatte ich die Predigt an Karneval,

da sprach ich dann jedes Mal:

 

Man könnte das wie ich einfach sagen,

oder singend ins Gedächtnis tragen:

 

Kommt sagt es allen weiter!

Ruft es in jedes Haus hinein.

 

Gott will es, werde rein,

das könnt die Botschaft sein.

 

Die der Geheilte schnell will weiter tragen,

im Vertrauen will alles sagen.

 

Heute will ich etwas beachten,

an Verbindungen ich dachte.

 

Wie wird der Geheilte heil sein?

Es ist Jesus, der muss es sein.

 

Er spürt es, der ist der Mann, der Sohn,

der ist direkt verbunden mit Gott und seinem Thron.

 

Er hat eine Verbindung gespürt,

die öffnet die Heilungstür.

 

Eine Verbindung haben wir Christen zu Gott,

er wird immer helfen aus aller Not.

 

Stark verbunden sind die Heiligen alle,

sie wohnen bei Gott, singen mit Schalle.

 

Verbunden mit Gott taten sie leben,

waren christlich – nicht mal nur eben.

 

Die Heiligen können uns helfen, sie können uns zeigen,

dass von Gott braucht man nicht zu schweigen.

 

Wir mit der Heil‘gen Hilfe brauchen uns nicht verstecken:

Sie helfen auch uns zu Hause und an allen Ecken.

 

Man könnte das wie ich einfach sagen,

oder singend ins Gedächtnis tragen:

 

Helft uns in diesem Erdental,

dass wir durch Gottes Gnad und Wahl

zum Himmel kommen allzumal.

 

So heißt es in dem alten Lied,

das gerne ich singe mit.

 

Die Heiligen sind Mittler, für uns alle,

wir dürfen sie bitten, viele viele Male.

 

Ihr kennt sie, unsre Patrone, die Schelme,

Vitus, Katharina, Maria, Wolfhelme.

 

Doch ist sie noch heiliger, unsere Stadt,

wenn man nur richtig drauf gibt Acht.

 

Da gibt es Straßen, die nach Heiligen benannt sollten sein:

Die von Kardinal von Galen und von Edith Stein.

 

Aber in diesem Viertel noch nicht alle von mir benannt sind:

Da gibt noch Bonhoeffer und auch Pfarrer Niewind.

 

Okay, beide sind nicht heilig gesprochen,

aber man wird sie noch kennen in Jahren und Wochen.

 

Ob ihres Tuns und Wirkens, dem christlichen guten,

denn das gehörte klar zu ihren Lebensrouten.

 

Neben dem Leohause ist ein Weg, ein kleine:

der gehört Kolping, dem Gesellen-Vereiner.

 

Ihr seht, liebe Leute, klein und groß,

Olfen ist heilig, fast wie in Gottes Schoß.

 

Man könnte das wie ich einfach sagen,

oder singend ins Gedächtnis tragen:

 

Helft uns in diesem Erdental,

dass wir durch Gottes Gnad und Wahl

zum Himmel kommen allzumal.

 

Von einer muss ich heut noch erzählen,

sie muss ich einfach auch erwähnen.

 

Auch wenn sie nicht zu finden in Olfen,

hat sie bestimmt schon vielen geholfen.

 

Sie ist schon alt, doch kam neu zu Ruhm,

ich kannte sie nicht, brauchte sie nicht für mein Tun.

 

Sie tat vor 1800 Jahren leben,

das ist lang her, nicht grad eben.

 

Sie ist gegangen in den Tod, die Märtyrerin,

kam so in den Himmel rin.

 

Sie ist zuständig für Seuchen, das ist gut,

nimmt die Pandemie mit unter ihren Diensthut.

 

Von der Heiligen Corona tu ich grad sprechen,

sie nutzt die Verbindung zu Gott, die Pandemie zu brechen!

 

So kann sie sein, unsere Verbindung zu Gott,

von ihm begleitet im Leben, auch in der Not.

 

So werden wir mit Gott sicher siegen

die Pandemie mit der Heiligen Hilfe bekriegen.

 

Dann kommt auch zurück die Verbindungen zueinander:

Das Grüßen, Umarmen, Singen und Tanzen miteinander.

 

Auf dem Weg brauchen wir weiter Maske, Abstand und viel Ruh

das ist klar, das gehört zu unserm Leben dazu.

 

Bald kommt dann für uns alle die Spritze,

das wird helfen. Ich freu mich. Spitze!

 

Bis dahin aber, bleiben wir leise, alle

dürfen nicht singen, nicht mit Schalle.

 

Daher ändere ich den Text ein wenig nun,

damit wir etwas gemeinsam können tun.

 

Man könnte das wie ich einfach sagen,

oder gemeinsam SUMMEND ins Gedächtnis tragen:

 

Helft uns in diesem Erdental,

dass wir durch Gottes Gnad und Wahl

zum Himmel kommen allzumal.

 

Und nun bleibt mir eines noch zu sagen,

ich will es tun, ich muss es wagen,

 

Ihr wisst, was nun kommt, sicher ganz genau:

ein dreifaches Olfen Helau, St. Vitus helau, St. Marien helau.


Predigt am Sonntag, 9. Februar 2020 (5. Sonntag im Jahreskreis A)

 

Liebe Schwestern und Brüder,

eine erschreckende Woche ist zu Ende gegangen, eine neue beginnt.

Aus meiner Sicht erschreckend durch Ereignisse der deutschen Politik, die sich auch in unserer Stadt zeigen.

Am Mittwoch stand nach mehrmonatigen Verhandlungen, Gesprächen und Sondierungen die Wahl des neuen Ministerpräsidenten in Thüringen an. Sie werden es in den Nachrichten und Zeitungen verfolgt haben. Demokratisch wurde ein neuer Ministerpräsidenten im Freistaat gewählt. Mit einer Stimme mehr als sein Gegenkandidat, der bisherige Ministerpräsident.

 

Nun ist erstmal nichts dagegen zu sagen, der mit den meisten Stimmen gewinnt nun mal. Im dritten Wahlgang reicht die einfache Mehrheit

In ihrer nun 70jährigen Geschichte ist aber nun in der Bundesrepublik Deutschland erstmals ein Ministerpräsident gewählt, der zum einen von einer Partei stammt, die nur gerade eben den Einzug ins Parlament geschafft hat, und der mit Stimmen einer rechten Partei gewählt wurde, die menschenverachtend, fremdenfeindlich und geschichtsverharmlosend auftritt. Diese Partei, die nun scheinbar als normale Mehrheitsbringerpartei gesehen wurde und wird. Diese Partei, die vertreten durch ihren Fraktionsvorsitzenden dem neugewählten Ministerpräsidenten in einer Pose gratuliert, die nicht nur mich stark an die Pose Adolf Hitlers zu Reichspräsident Hindenburg am „Tag von Potsdam“ im März 1933 erinnern ließ.

 

Das hat mich erschrocken, das erschreckt mich noch immer. Man kann zur Linken stehen, wie man will, aber ich kann nicht verstehen, dass man nur um das eine zu verhindern, das zulässt, was offen gegen Menschen ist.

 

Aber mittlerweile ist ja auch dieser Ministerpräsident schon fast Geschichte, nicht mal 24 Stunden nach seiner Wahl hat er am Donnerstag seinen Rücktritt angekündigt, und am Samstag endlich ausgeführt.

Lust auf Politik, Lust auf Wählen gehen macht das sicherlich nicht so vielen Leuten. Aber gerade nun ist es wichtig, damit eben nicht menschenverachtende, fremdenfeindliche und geschichtsverharmlosende Parteien Mehrheiten bekommen.

 

Freitagabend fand der Neujahrsempfang dieser Partei in Münster statt. 4000, nach Angaben der Veranstalter 8000 Menschen haben auf dem Prinzipalmarkt vor dem Rathaus des Friedens für Freiheit und Frieden demonstriert. Beim Gebet vor der Demonstration hat Münsters Stadtdechant Jörg Hagemann seine Worte vom vergangenen Jahr, als ebenfalls ein Gebet die Demo gegen den Neujahrsempfang gestartet hat, wiederholt: „Wir beten hier wieder einmal um Frieden, weil wir nicht still sein können, wenn der Hass wieder alltäglich wird.“ (https://www.stadtdekanat-muenster.de/fileadmin/user_upload/kreisdekanate/muenster/Downloads/2020/2020-02-07_Predigt_Stadtdechant_Hagemann.pdf)

 

Nun zu unserer Stadt. Eine Gastwirtschaft bei uns wird anonym angefeindet, weil sie einem Stammtisch dieser Partei Raum geben will. Auch hier bei uns gibt es diese Partei, auch hier bei uns gibt es Sympathisanten und Wähler dieser Partei. Bei der Bundestagswahl 2017 kam die Partei auf erschreckende 9,6 % der Stimmen (Anmerkung: 787 Wähler bei 8201 gültig abgegebenen Stimmen).

Dieser Partei Raum zu geben, kann ich nicht gut heißen, allerdings anonym und drohend den Gastwirten gegenüber zu treten, kann ich auch nicht gut heißen. Denn wenn Menschen bedroht werden, Existenzen so aufs Spiel gesetzt werden, kann ein Miteinander in einer Stadt, in einer Gesellschaft nicht funktionieren.

 

 Liebe Schwestern und Brüder,

im Evangelium konnten wir hören, was Jesus von uns als Kirche fordert: Dass wir uns mit unseren Fähigkeiten, unseren Möglichkeiten nicht verstecken, sondern zeigen und einbringen sollen, denn unser Licht soll leuchten vor den Menschen. Aber unser Licht leuchtet nicht immer, unsere Frohe Botschaft ist oft verdunkelt, wofür es sicher Gründe gibt: Sexueller Missbrauch, Finanzskandal, Machtmissbrauch……

 

Jesus möchte aber trotz aller Skandale von uns, dass wir unser Licht – sein Licht – in Wort und Tat nicht unter den Scheffel, nicht unter ein Gefäß stellen, sondern zeigen sollen.

„… damit sie eure guten Taten sehen“ (Mt 5,16): Licht bringen im Handeln.

 

Und  gerade hier, im Einsatz für andere erfährt unsere oft zu Recht kritisierte Kirche die größte Akzeptanz und Anerkennung. Und damit ist die Kirche auch nah dran an der heutigen Lesung aus dem Buch Jesaja. Da fordert der Prophet das Volk Gottes auf, mit den Hungrigen das Brot zu teilen, obdachlose Arme aufzunehmen, Nackte zu bekleiden und jede Form von Unterjochung zu beenden. Hier können wir als Kirche viel Gutes anführen:

in Krankenhäusern und Seniorenheimen, in Tafeln, Suppenküchen und Kleiderkammern, in der Trauer- und Hospizarbeit und im vielfältige Einsatz für die Menschen am Rand der Gesellschaft. Dieses Engagement von Christen wird anerkannt und gewürdigt. Und genau das ist es, was wir nun brauchen, wenn der Hass unter den Menschen wieder alltäglich wird.

 

All der Einsatz der Kirche ist aber immer auch eine Aufforderung, unsere eigenen Möglichkeiten auszuloten:

Was kann ich persönlich tun? Wo kann ich gegen Unrecht etwas tun? Wo kann ich Bedürftigen helfen? Wo kann ich mich meine Stimme erheben, wenn Menschen angegriffen werden? Wo kann ich mich gegen Hass in der Gesellschaft einsetzen?

 

Mit Blick auf die Entwicklungen in unserer Gesellschaft, in unserer Politik und Kirche möchte ich mit einem Gebet enden. Es ist ein Gebet für Europa von Carlo Maria Martini, dem langjährigen Kardinal und Erzbischof von Mailand und Vorsitzender der europäischen Bischofskonferenz, gestorben 2012.

 

Am kommenden Freitag feiern wir den Gedenktag der Heiligen Cyrill und Methodius, die seit 1980 als Patrone Europas gelten.

Beten wir für Europa, aber auch für unser Land als Teil der europäischen Gemeinschaft, beten wir, dass das Erschrecken in dieser Woche nur ein einmaliges Erschrecken war und viele Politiker und Bürger in unserem Land wachgerüttelt hat.

Beten wir um Frieden, weil nicht still sein können, wenn der Hass wieder alltäglich wird:

 

Vater der Menschheit,

Herr der Geschichte!

Sieh auf diesen Kontinent,

dem du die Philosophen, die Gesetzgeber und die Weisen gesandt hast,

Vorläufer des Glaubens an deinen Sohn,

der gestorben und wieder auferstanden ist.

Sieh auf diese Völker, denen das Evangelium verkündet wurde,

durch Petrus und durch Paulus,

durch die Propheten,

durch die Mönche und die Heiligen.

Sieh auf diese Regionen,

getränkt mit dem Blut der Märtyrer,

berührt durch die Stimme der Reformatoren.

Sieh auf diese Völker, durch vielerlei Bande miteinander verbunden,

und getrennt durch den Hass und den Krieg.

Gib, dass wir uns einsetzen

für ein Europa des Geistes,

das nicht nur auf wirtschaftlichen Verträgen gegründet ist,

sondern auch auf menschlichen und ewigen Werten:

Ein Europa, fähig zur Versöhnung,

zwischen Völkern und Kirchen,

bereit um den Fremden aufzunehmen,

respektvoll gegenüber jedweder Würde.

Gib, dass wir voll Vertrauen unsere Aufgabe annehmen,

jenes Bündnis zwischen den Völkern zu unterstützen und zu fördern,

durch das allen Kontinenten zuteil werden soll

die Gerechtigkeit und das Brot,

die Freiheit und der Friede.

AMEN

(Gebet von Carlo Maria Kardinal Martini (1927–2012)

 


Predigt Ostern 2017 (A)
15. April 2012, 21.00 Uhr – 9.00 Uhr – 10.30 Uhr

Liebe Schwestern, liebe Brüder,
wir feiern heute die Auferstehung Jesu Christi, den Sieg des Lebens über den Tod. Er, Jesus, der uns Gott als den Gott des Lebens verkündet hat, ist selbst nun der Lebendige Gott, der Auferstandene. Vor einer Woche haben wir an seinen Weg nach Jerusalem gedacht. Am Palmsonntag ist er dort mit Palmen, mit Kleidern auf dem Weg begrüßt worden. Ein Siegeszug in die Stadt hinein, wie er prächtiger nicht sein konnte.

Auf dem Weg nach Jerusalem – von seiner Heimat Galiläa aus – heilte er die Kranken, predigte und war mit seinen Jüngern unterwegs. Und dann? Die Jünger verließen ihn nach und nach, beim Kreuz – so schreibt es Matthäus – ist niemand mehr dabei. Nur ein paar schauten „von weitem zu; sie waren Jesus seit der Zeit in Galiläa nachgefolgt und hatten ihm gedient. Zu ihnen gehörten Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus und des Josef, und die Mutter der Söhne des Zebedäus.“ (Mt 27, 55f.)

Selbst Petrus wird ihn verlassen, obwohl er dies auf dem Weg zum Ölberg nach dem Abendmahl deutlich abstreitet: „Und wenn alle an dir Anstoß nehmen — ich niemals! Und wenn ich mit dir sterben müsste — ich werde dich nie verleugnen.“ (Mt 26, 33.35)

Die Frauen aber bleiben und werden zu Zeugen des Todes, und – so hörten wir – zu ersten Zeugen der Auferstehung. Sie sind ihm treu geblieben über den Tod hinaus, sie beobachteten den Josef aus Arimatäa, als er Jesus in einem Grab beerdigte. Sie gingen dann am Morgen des dritten Tags zum Grab, um Jesus zu salben.

Aber: Nichts! Wirklich nichts?

Das Grab öffnet sich mit einem gewaltigen Erdbeben und ein Engel erscheint. Die Frauen werden sich gewundert haben, dass es wieder bebt. Beim letzten Mal bebte es, als Jesus am Kreuz starb. Und nun hören sie die unglaubliche Botschaft: „Er ist nicht hier, denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ (Mt 28, 6)

Die Frauen fliehen vor Furcht von diesem Ort, aber es wird auch ein anderes Gefühl bei ihnen sein: Große Freude. Während der Flucht aber kommt der Auferstandene selbst plötzlich auf dem Weg ihnen entgegen und ruft ihnen zu: „Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen, und dort werden sie mich sehen.“ (Mt 28, 9)

Sie erkennen ihn sofort, die Furcht weicht und die Freude breitet sich aus. Diese Nachricht musste gesagt werden. Sie gibt dem bisher Geschehenen überhaupt erstmal neuen Sinn. Ohne diese Botschaft fehlt etwas Entscheidendes. Seit Menschen denken können, gibt es schlechte, schreckliche Nachrichten. Auch in der Welt, in der wir leben, gibt es mehr als genug davon:

  • Menschen sterben und ihr Tod reißt eine Lücke ins Leben der Zurückgebliebenen;
  • ernsthafte Krankheiten gefährden das Leben;
  • menschliche Tragödien ereignen sich;
  • Menschen erleben Brutalität und Terror,
  • Krieg und Verfolgung, Angst und Verzweiflung.

Beim Tag des Friedhofs im Oktober des vergangenen Jahres hatten wir dieses Plakat am gemeinsamen Informationstisch von evangelischer Christuskirchengemeinde und St. Vitus: „Christen schauen über den Horizont hinaus!“

Dieser Satz ist einer von Willi Hoffsümmer überlieferten Anekdote entnommen: „Ein protestantischer Missionar arbeitete schon jahrelang bei den Papuas in der Südsee. Bei der Bibelübersetzung in die Sprache der Einheimischen fand er nicht den rechten Ausdruck für das Wort 'Hoffnung'. Er suchte lange nach diesem Begriff, bis er eines Tages sein neugeborenes Kind zu Grabe tragen musste. Ein Papuajunge, der zusah, wie der Vater seinen Sohn begrub, sagte zu dem Missionar: „Ich sehe dich gar nicht weinen.“ Darauf der Vater: „Warum denn, wir werden uns wiedersehen. Unser Kind ist bei Gott.“ Und der Junge für sich: „Ja, ich hörte es. Ihr Christen schaut über den Horizont hinaus.“ - Über den Horizont hinausschauen ... Ja, jetzt wusste der Missionar, wie er das Wort 'Hoffnung' zu übersetzen hatte.“

Wir Christen haben diese Hoffnung über den Tod hinaus, wir schauen immer mit erweiterter Perspektive über den Horizont hinaus, über den Tod hinaus in das Ewige, über den Tod hinaus in das für uns versprochene und schon gültige ewige Leben. Diese Perspektivenerweiterung verheißt uns: Das Leben wird letztlich über den Tod siegen.

  • Auch dann, wenn unser Erleben oft eine andere Sprache spricht.
  • Auch dann, wenn uns der Augenschein oft andere Bilder zeigt.
  • Auch dann, wenn der weltweite Terror immer näher kommt. Erst New York, dann Brüssel, London, Paris, aber auch afrikanische Länder, zuletzt am Palmsonntag noch in Ägypten. Dann aber schon Berlin im Dezember. Und nun in dieser Karwoche Dortmund – auch wenn wir noch immer nicht wissen, was genau passiert ist.

Ich kann von mir sagen, dass ich am Dienstagabend geschockt war. Ich habe bis kurz nach zehn nichts mitbekommen, da ich die Osterkerzen fertig gemacht habe und diese Predigt angedacht habe. Und dann: Ein echt großer Schock für mich.

Die Hoffnung von Ostern aber macht mutig. Sie ruft auf zum Handeln aus neuer Hoffnung. Sie macht solidarisch. Und das hat sich schon sofort in der Nacht in Dortmund gezeigt, als Dortmunder Fans des AS Monaco aufgenommen haben. Ob dies nun wirklich immer aus christlicher Überzeugung geschehen ist, weiß ich nicht. Aber ich kann es aus unserem christlichen Glauben deuten: Das ist Leben aus dem Auferstehungsglauben, das ist Solidarität und konkrete Hilfe.

Werden wir nicht müde, diese Botschaft in unser eigenes Leben und in die dunklen Gassen dieser Welt hinein zu rufen und mit unserer Perspektiverweiterung über den Tod und den Terror hinaus zu verbinden.

So wünsche ich uns: Frohe Ostern, gesegnete Ostern!

Martin Reuter
Pastoralreferent

 


Predigt am 20. Sonntag im Jahreskreis
17. August 2014


„Die Bequemen und die Standhaften": Deutsche Christen und Christen im Nordirak

Liebe Schwestern und Brüder,

Mitte August gedenken wir vieler Märtyrer des nationalsozialistischen Regimes:

  • am 3. August: Gerhard Hirschfelder, Jugendseelsorger, ermordet im KZ Dachau 1942
  • am 9. August: Edith Stein, Philospohin, Dozentin, Ordensfrau, ermordet im KZ Auswitz 1942
  • am 12. August: Karl Leisner, im KZ geweihter Priester, Jugendgruppenleiter, an den Folgen der KZ-Haft in Dachau 1945 gestorben
  • am 14. August: Maximilian Kolbe, Ordenspater, ermordet im KZ Auschwitz 1941

Nur einige von vielen Märtyrern, die in der Zeit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft den Glauben bezeugt haben, und sogar für den Glabuen den Tod in Kauf genommen haben.

Menschen, die das Kreuz Christi getragen haben, die standhaft blieben.

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

Verfolgung, Verfolgung von Christen. Wir können uns das heute kaum mehr vorstellen, aber es ist grad mal 70 Jahre her, dass das auch bei uns in Deutschland stattfand. Dass Menschen wegen ihres Glaubens diskriminiert, verfolgt und getötet wurden.

 

In der vergangenen Woche hab ich einen Kommentar eines katholischen Nachrichtenmagazins gelesen.

Unter der Überschrift: „Die Bequemen und die Standhaften" vergleicht der Autor zwei Nachrichten des gleichen Tages, wenige Tage alt.

„In Deutschland traten massenweise evangelische und katholische Christen aus ihrer Kirche aus. Ursache ist die Einführung einer neuen, automatischen Abbuchungsmethode für Kirchensteuerbeiträge, die auf Kapitalerträge erhoben werden. Die Drohung, einige hundert Euro weniger auf dem Bankkonto zu haben, reicht aus, damit Zehntausende Christen ihre Kirche verlassen. Obwohl nichts Neues passiert, keiner mehr zahlen muss.

Am selben Tag wird aus dem Irak gemeldet, dass Zehntausende Angehörige der christlichen Minderheit sich für eine beinahe aussichtslose Flucht in die kargen Berge oder für den Tod durch Erschießung entscheiden. Die Terror-Milizen des Islamischen Staates (ISIS) haben sie vor die Wahl gestellt: Wenn sie sich ihnen unterwerfen und zum Islam konvertieren, dürfen sie weiterleben und in ihren Häusern bleiben.
Oder sie bleiben ihrer Religionsgemeinschaft und ihrem Glauben treu. Dann aber nehmen sie Tod oder Vertreibung in Kauf.


Die Standhaften riskieren eben Leib und Leben.

Ob die Christen im Irak wohl Verständnis hätten für ihre ausgetretenen Ex-Glaubensbrüder und -schwestern im sicheren und wohlhabendenden Deutschland? Resigniert möchte man sagen: Wer wegen ein paar hundert (oder bei den Reicheren: ein paar tausend) Euro auf dem Bankkonto die Kirche verlässt, hat eh nicht begriffen, was es bedeutet, der Gemeinschaft derer anzugehören, die an Christus glauben." (vgl.: Ludwig Ring-Eifel: Die Bequemen und die Standhaften" – Standpunkt vom 11. August 2014 auf katholisch.de)

 

Im Evangelium hören wir, wie Jesus der Frau aus Kanaa doch noch hilft. Zunächst für unsere Ohren erschreckend weißt er sie ab: Er sei nur zu den Kindern Israels geschickt worden. Doch später nimmt er sich ihrer an, da er merkt, wie groß ihr Glaube ist.

Sich anderer annehmen. Dazu ruft uns unser Glaube immer wieder auf. Den anderen in seiner Andersartigkeit annehmen, so wie er ist. Auch im Glauben, den anderen Glauben respektieren. Die Kirche musste das in ihrer Geschichte lernen.

 

Lernen wir auch heute davon und beten wir für unsere verfolgten Schwestern und Brüder. Seien wir die Standhaften, die in der Kirche sich versammeln zum Gebet.

Papst Franziskus ruft uns an diesem Sonntag besonders um den Frieden im Irak zu beten.

Im Juli predigte Franziskus beim Angelus:

„Der Gott des Friedens erwecke in allen ein echtes Verlangen nach Dialog und Versöhnung.
Gewalt besiegt man nie mit Gewalt.
Gewalt besiegt man mit dem Frieden!
Beten wir in Stille und bitten wir um den Frieden;
alle, in Stille ... Maria, Königin des Friedens, bitte für uns!"

Schließen wir uns seiner Bitte an,
bitten wir die Heiligen Märtyrer unseres Landes um Fürbitte bei Gott.
Seliger Gerhard Hirschfelder – bitte für uns.
Heilige Edith Stein – bitte für uns.
Seliger Karl Leisner – bitte für uns.
Heiliger Maximilian Kolbe – bitte für uns.
Alle Heiligen Gottes – bittet für uns.

 

Martin Reuter, Pastoralreferent

 


Predigt zur Beerdigung von Joachim Worms
St. Vitus Olfen - 26. Juli 2014

Liebe Frau Worms,
liebe Familien Worms und Grote,
liebe Verwandte, Angehörige und Freunde unseres verstorbenen Bruders Joachim,
liebe Schwestern und Brüder,

 

es sind tröstende Worte, die uns in den Lesungstexten zugesprochen werden.

Die Lesung aus dem Epheserbrief spricht davon, dass wir schon vor der Erschaffung der Welt von Gott erwählt sind. Gott weiß von uns, Gott lenkt und begleitet uns. Ein Leben lang und auch im Tod und darüber hinaus.

 

Joachim Worms hat mit diesem Glauben gelebt. Bei unserem Gespräch diese Woche berichteten Sie mir, dass er fest daran geglaubt hat, dass es eine Art Uhr gibt, die für jeden Menschen aufgezogen wird und irgendwann stehen bleibt. Für ihn war es am Montag soweit. Für uns alle so plötzlich ist er mitten aus dem Leben gerissen. Für ihn galt, dass er nach Gottes gnädigem Willen zu ihm gelangt ist – so schreibt es Paulus in seinem Brief.

Das kann uns in diesen Tagen trösten, in denen wir nicht verstehen können, was passiert ist, warum es passiert ist und warum keiner helfen konnte.

 

„Niemals geht man so ganz" – mit diesen Worten ist die Traueranzeige überschrieben. „Niemals geht man so ganz" – das trifft zu.

Niemals wird uns Joachim ganz verlassen. Er wird weiterleben in den Erinnerungen, die wir mit ihm verbinden.


Er wird uns in Erinnerung bleiben als ein fröhlicher Mensch, der uns immer zum Lachen brachte, der immer für andere da war und auch anpacken konnte, wo es nötig war.

Er wird uns in Erinnerung bleiben als der König vom Marktplatz, der immer gerne seine Kunden und Spaziergänger in ein kurzes – manchmal auch längeres – Gespräch über Gott und die Welt verwickelte.
Er wird uns in Erinnerung bleiben als ein an dem Geschehen in unserer Stadt Olfen stark Interessierter und Fördernder – nicht zuletzt auch im Werbering, aber auch darüber hinaus in anderen Vereinen.

 

Joachim ist fortgeholt worden.
„Können wir den Jungen nicht zu uns holen?" – So soll der Satz gewesen sein, mit dem er vor Jahren nach Olfen kam, um in die Drogerie von Onkel Hermann mit einzusteigen. Und dieser neue Wohnort ist ihm zur Heimat geworden.

„Können wir den Jungen nicht zu uns holen?" Das hat Gott nun gesagt. Joachim hat seinen Platz in der für ihn vorbereiteten Wohnung im Himmel gefunden. Wir können darauf vertrauen, dass es ihm gut geht. Wir können uns vorstellen, wie er dort im Himmel auf dem himmlischen Marktplatz steht und das Geschehen beobachtet und einstimmt in die Lieder der Engel.

 

In unserem Gespräch haben wir uns über Joachim unterhalten und wir konnten dabei lachen. Das finde ich gut, das ist ein gutes Zeichen, dass es weiter gehen kann und weiter gehen wird.

 

Worüber ich seit Donnerstagabend nachdenke, ist der Besuch, den wir beim Gespräch auf der Terrasse immer wieder bekamen. Der Schmetterling, der mithörte, der zwischendurch wegflog, aber doch neugierig war, weiter mitzuhören, was wir sprechen. Sie sagten sofort: Das ist Joachim.

 

Ein Schmetterling! Das frühe Christentum hat eine antike Symbolik der Verwandlung aufgegriffen und als Symbol für die Auferstehung Christi verstanden. Der Schmetterling ist ja nicht von Anfang an da, sondern macht eine Entwicklung durch. Aus dem Ei entsteht eine Raupe, und nach einer ganz bestimmten

Zeit verpuppt sich die Raupe in einem Kokon, bis sich dann schließlich der Schmetterling ent-puppt. Am Ende entsteht etwas ganz Neues und Schönes.

 

So ist der Schmetterling zu einem österlichen Zeichen geworden, zu einem Symbol der Hoffnung, der Verwandlung und des neuen Lebens, zu einem Symbol dafür, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, dass aus etwas scheinbar Leblosem etwas neues Großes werden kann.

Jesus Christus hat den Tod besiegt. Neues ist geworden. Angst und Sorgen haben sich in Freude und neue Hoffnung verwandelt.

 

Mit dieser Hoffnung können wir dankbar darauf vertrauen, dass Gott Joachim sich nach Hause, in sein Reich aufgenommen hat.

Er ist angekommen.
Durch seinen Glauben an Gott, der eine Wohnung für ihn bereitet hat.

 

Martin Reuter, Pastoralreferent